Einen Ausflug nach Eggenburg hatte ich schon seit Längerem angedacht. Drei gelöste Mystery Caches erschienen mir genug Anlass für diese Reise, die sich ohne Klimaticket allerdings etwas mühsamer gestaltet, als es letztes Jahr gewesen wäre. Da der Express-Bus nach Tulln genau in der Stunde, wo ich ihn gebraucht hätte, nicht fuhr, reiste ich über Hollabrunn mit Zug und Bus an.

Vom Bahnhof aus schlug ich dann gleich die Richtung der Mystery Caches ein. Auf dem Weg dorthin hat sich mein „Jagdhund“ mal wieder ausgezeichnet. Lange vor ihm sah ich das Reh, das auf dem Feldweg am Waldrand stand. So lange ich stehen blieb, blieb auch das Tier stehen, ich konnte es eine Zeitlang beobachten. Erst als ich näher kam, hüpfte es in den Wald davon, wo ich es dann mit einem Zweiten seiner Art zu mir zurückblicken sah.
Der Weg führte uns zu einer Eisenbahnbrücke, die sich hoch oben über eine Strasse spannte. Dazu gab es auch eine Informationstafel, die von der Bedeutung der Kaiser Franz Josefs Bahn (sic!) für die landesfürstliche Stadt Eggenburg berichtet. Die Tafel enthält auch ein besonders Kleinod: ein Foto des „legendären Vindobona“, in Klammern die (mutmaßliche) Quellenangabe: Internet. Das Foto ist in diesem ORF-Artikel zu sehen, hier auch mit detaillierterer Quellenangabe.

Auf der oben erwähnten Informationstafel findet sich auch ein Hinweis darauf, dass die Erdumwälzungen (zB durch das Aufschütten von Dämmen) durch den Eisenbahnbau zu den Funden von Johann Krahuletz beitrugen. Der in Eggenburg geborene Geologe suchte schon als Kind auf den Feldern nach „Altertümern“. Neben dem Krahuletz-Museum ist ihm in Eggenburg auch ein Gesteinsgarten gewidmet. Für den dazugehörigen Earth Cache müssen einige Informationen gesammelt werden. Zum Glück habe ich mir die Zeit genommen, alle 22 Säulen umfassend zu inspizieren und zu fotografieren, auf der Webseite konnte ich leider nur dürftige Informationen zum Gesteinsgarten finden:
Das Waldviertel im Nordwesten Niederösterreichs hat Anteile an nahezu allen Gesteinseinheiten Österreichs. Die verschiedenen Gesteine aus einer viele hundert Millionen Jahre langen geologischen Entwicklungsgeschichte prägen maßgeblich den Charakter der Waldviertler Landschaft.

Der Gesteinsgarten befindet sich vor einem Gebäude, das von Architekt Clemens Holzmeister (1886–1983) errichtet wurde. Sein bekanntestes Gebäude ist vermutlich die Feuerhalle Simmering. Laut einer Tafel an der Wand ist es „eines der ältesten Lichtspielhäuser Österreichs“. Mir fiel besonders der Schriftzug Lichtspielhaus an der Fassade ins Auge. Seit Kurzem bin ich begeisterte Leserin des Typographischen Fundstücks. Die darin gezeigten Schriften im Stadtbild und die angehängten Nachforschungen zu historischen Hintergründen und Analysen der verwendeten Schriftarten haben dazu geführt, dass ich selbst wieder mehr auf Schriften an Gebäuden achte. Bei diesem Schriftzug fällt etwa ins Auge, dass die Serifen beim kleinen „s“ deutlich dominanter sind als bei anderen Buchstaben. Bei der Kombination „lh“ hätte ich eigentlich eine Ligatur erwartet, hier wirken auch die Abstände zwischen den Buchstaben nicht ganz rund.

Nach dem Besuch des Gesteinsgartens war mir nach einer Mittagspause, ich fand ein spärlich besuchtes Lokal im Zentrum, wo mir ein passabler Flammkuchen serviert wurde. Ein Letterbox-Bonus-Cache war genug Motivation, um den zehnteiligen Adventure Lab entlang der Stadtmauern zu verfolgen. Der Bonus Cache führt auch in einen besonders schönen Teil der Stadt, wo ich mich entlang der Mauern in meine Kindheit zurück versetzt fühlte (wir kletterten damals im Burggraben der Burg Kreuzenstein herum).
Nach der Letterbox sah ich mir noch das Ossarium (Beinhaus) nahe der Kirche an. Ich wusste zwar, was mich erwartete, aber irgendwie ist es trotzdem etwas gruselig, wenn beim Betätigen des Lichtschalters der Blick auf die Knochenhaufen fällt und der Kopf umgehend anfängt, zu schätzen, wie viele menschliche Überreste hier wohl liegen.
Für einen Februar-Ausflug war das Wetter ausgezeichnet, ein absoluter Glücksfall. Noch am Bahnsteig konnte ich in der Sonne sitzen. Gerne würde ich auch irgendwann das Krahuletz-Museum besichtigen, Mineralien waren in meiner Kindheit mal interessant. So ein früh geprägtes Interesse geht irgendwie nicht mehr ganz weg, vielleicht mag ich auch deshalb Earth Caches gern. Ein Ausflog nach Eggenburg lohnt sich auf jeden Fall, es ist eine hübsche Stadt mit viel interessanter Geschichte.








