Dosenkiwi

[fast ohne Spoiler]

Karlsruhe

Blick auf das Schloss Karlsruhe, von dem ausgehend sich fächerförmig die Innenstadt entfaltet, im Vordergrund sitzen Jugendliche mit dem Rücken zur Kamera auf einer Treppe in der Sonne

Nach dem Einchecken im Hotel in Karlsruhe spazierte ich erstmal ziellos in die Innenstadt. Nachdem ich bei einem nahegelegenen Multi gleich mal an der Identifizierung von „Pilzen“ gescheitert war, erschien mir Karlsruhe GC Decathlon Discipline 02 als eine geeignetere Aufgabe. Erst später bemerkte ich, dass der Multi wohl von seinem Owner nicht mehr gewartet wird. Zuhause hätte ich an dieser Stelle wohl die Suche abgebrochen und Needs Archived geloggt. Da sich aber in Karlsruhe die letzten Loggenden nicht daran gestört haben, dass nicht mal eine Dose vor Ort ist, wollte ich auch nicht auf die Einhaltung der Regeln pochen. Stattdessen habe ich an der Final Location eine Ersatzdose deponiert.

Screenshot vom Webcam-Blick auf den Marktplatz Karlsruhe, roter Kreis kennzeichnet die im Bild stehende Autorin

Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass es in Karlsruhe noch einen Webcam-Cache gibt. Da diese zu den grandfathered cache types gehören (es dürfen also keine neuen Webcam-Caches mehr angelegt werden), sind sie eine Rarität geworden.

Blick von der Tiergartenbrücke auf die Altersresidenz für asiatische Elefantenkühe im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe

Der Traditional Dickhäuterblick erfüllt das Versprechen, das der Titel gibt und führt auf die Brücke über den Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe. Die Aussicht kann sich wirklich sehen lassen: Neben einer Elefantin konnte ich auch einen weißen und einen bunten Pfau beim Radschlagen beobachten und zu den Booten runterwinken, die unter der Brücke auf dem Wasser vorbeischipperten.

Blick auf das Zentrum für Kunst und Medien, im Vordergrund eine überlebensgroße aufgeblasene blaue Katze

Anlass unseres Besuchs in Karlsruhe war die Gulaschprogrammiernacht 2019, organisiert vom Hackspace Entropia. Veranstaltungsort war das Zentrum für Kunst und Medien. Neben dem Chaos-typischen Vortrags- und Unterhaltungsprogramm ergab sich dadurch auch die Möglichkeit, die Ausstellungen des Museums zu besuchen. Die Ausstellung Open Codes ging im ZKM gerade zu Ende, sie wird ab 13. Juni an der Universität Lüneburg zu sehen sein. Diese Ausstellung fand ich schwer zugänglich, bei den meisten Ausstellungsobjekten musste ich erstmal das A4-Blatt mit der Beschreibung des Objekts lesen, um irgendetwas damit anfangen zu können. Zusammengefasst bezogen sich die Ausstellungsobjekte auf digitale Codes, auf die Art, wie diese (visuell) dargestellt werden können und wie sie sich auf die gesellschaftlichen Verhältnisse auswirken. Darunter befand sich dann etwa eine bunte Lichtinstallation von Conways Game of Life oder auch eine Installation, die mit der naturwissenschaftlichen Darstellung von Objekten unter Glaskuppeln spielt. Unter den Glaskuppeln waren statt etwa präparierten Schmetterlingen Mikrocontroller mit kleinen Bildschirmen zu sehen, auf den Bildschirmen wurden Bilder angezeigt, die von einer Künstlichen Intelligenz als Tiere identifiziert wurden.

Blick durch die Lichthöfe des ZKM im ersten Stock, das durch das Glasdach fallende Licht wirft interessante Schatten

Blick über einen Lichthof des ZKM auf das Plakat einer aktuellen Ausstellung: Writing the history of the future: Die Sammlung des ZKM Teil 1

Im Obergeschoss befand sich die Ausstellung Writing the history of the future: Die Sammlung des ZKM Teil 1. Hier waren die Exponate für mein Gefühl etwas zugänglicher. Sie zeigt den Wandel der Kunst anhand verschiedener Medien wie zum Beispiel Zeitung oder Schreibmaschine. Besonders gefallen hat mir hier eine Installation mit von der Decke hängenden Styroporkugeln in einem dunklen Raum, die Kugeln sind je zur Hälfte mit verschiedenen UV-empfindlichen Farben bemalt. Durch den Wechsel der Beleuchtung ändert sich die Sichtbarkeit der Kugelhälften. Ein anderer Besucher brachte dann noch die Kugeln in Bewegung, was einen sehr schönen Effekt auslöste.

Installation mit von der Decke hängenden Styroporkugeln in einem dunklen Raum, die Kugeln sind je zur Hälfte mit verschiedenen UV-empfindlichen Farben bemalt

Karlsruhe beheimatet außerdem einen Bücher-Cache mit einer besonderen Logbedingung: Das „Log-Buch“ ist selbst mitzubringen, in das Buch soll ein ausgedruckter Zettel eingeklebt werden, der dann als persönliches Log dient. Um ein Buch von zuhause mitzubringen war es natürlich zu spät. Da ich nun aber beim Mitcacher bereits das Ausdrucken des Logzettels beauftragt hatte, musste ich auf die Schnelle noch ein Buch auftreiben: entweder eines, das ich bereits gelesen habe oder eines, das ich noch während des Aufenthalts lesen kann. Es kam zu Zweiterem, in einem Antiquariat entschied ich mich für diesen überschaubaren Roman.

Skulptur aus buchförmigen transparenten Kästen, die bunt beleuchtet sind und an den Kanten mit Laufschrift Inhalte von Büchern darstellen

Berlin

Flugzeug im Landeanflug auf Berlin Tegel

Da ich bei diesem Berlin-Besuch gleich nach dem Landeanflug den Nachmittag Zeit hatte, nutzte ich die Gelegenheit, um endlich die bereits begonnenen Flughafen-Caches zu besuchen. Die ersten Variablen für den TXL – Zwischenstopp hatte ich bereits bei früheren Besuchen gesammelt. Die 🐻 TXL Travelbuglodge 🐻 bot sich an, um die TBs abzulegen, die ich beim Osterevent in Wien von zwei schwedischen Cachern übernommen hatte. Und die Finalkoordinaten für den TXL-Mystery oder für Wurzellisel zum 1000sten hatte ich auch schon länger in der Liste. Dieser Mystery erwies sich als Glücksgriff, er führt an eine Location in der Einflugschneise auf den Flughafen Berlin Tegel, wo im Abstand von 5 Minuten Flugzeuge im Landeanflug beobachtet werden können. An diesem Nachmittag konnte ich auch noch die Himmelfahrtkirche besuchen, ein vorheriger Besuch war an einer uhrzeit- und wochentagsbedingten Vermuggelung gescheitert.

Flugzeug im Landeanflug auf Berlin Tegel

Schon länger in Betracht gezogen hatten der Fotograf und ich einen Besuch im deutschen Bundestag. Die Kuppel ist unter anderem mit einem Virtual Cache verbunden und nur nach vorheriger Anmeldung zugänglich. Wir haben den Besuch (am Tag der Europawahl, wir haben beide vorab per Briefwahl gewählt) mit einer Führung durch den Bundestag mit dem Schwerpunkt Geschichte verbunden, die allerdings in meinen Augen eher durchwachsen war. Vom Gebäude selbst sieht man davon eher wenig und die vermittelten historischen Informationen waren auch eher nur punktuell. Die Kuppel selbst ist natürlich beeindruckend, mittels spiralförmiger Gänge führt ein Weg zum Gipfel. Die Aussicht kann sich natürlich auch sehen lassen, leider war an diesem Tag der Himmel sehr grau und bewölkt.

das Logfoto für den Virtual Cache Glaskuppel, der Fotograf wurde eine Stufe unter der Kuppelplattform positioniert, auf dem Foto bin ich hinter einer Art Balkongeländer zusehen, dahinter das Dach der Kuppel

Blick auf die spiralförmig verlaufenden Gänge der Glaskuppel, rechts ist die mit Spiegeln verglaste Mittelsäule zu sehen

Vom Bundestag ist der Weg in den Tiergarten nicht weit. Wir nutzten daher die Gelegenheit, um am sowjetischen Ehrenmal einen neu entstandenen Earth Cache zu besuchen. Die erwähnten Labradorit-Einschlüsse, die wie die Beschichtung einer CD oder DVD schimmern, hätte ich ohne diesen Earth Cache bestimmt nicht entdeckt, sie sind auch nur aus einem bestimmten Blickwinkel gut zu erkennen.

Nahaufnahme von bläulich schimmerndem Labradorit-Einschluss in Umgebungsgestein am sowjetischen Ehrenmal

Erfreulicherweise konnten wir im Anschluss auch noch den Multi Kleiner Tiergartenspaziergang abschließen. An dieser Stelle hatten wir bereits bei einem vorherigen Besuch lange vergeblich gesucht. Wie sich nun herausstellte, war damals unser Suchradius zu klein, das Spoilerfoto hatte mich in die Irre geführt.

Blick über die Landebahn des ehemaligen Flughafens Berlin Tempelhof, X auf dem Boden im Vordergrund

Schließlich führte mich ein Ausflug auch noch an einen anderen Flughafen: das Tempelhofer Feld. Vor vielen Jahren war ich bei einem Berlin-Besuch bei einem ehemaligen Studienkollegen bereits dort, damals war das Gelände gerade für die Bevölkerung geöffnet worden. Aufgrund von Müdigkeit wegen der vielen Schritte der vergangenen Tage entschloss ich mich nach dem Besuch zweier Traditionals und des Virtuals Tempelhof – the X marks the spot zu einer ausgedehnten Pause im nahen Biergarten.

Katowice

Wandgemälde der Physikerin Maria Goeppert-Mayer

Die Zugfahrt von Posen nach Katowice war zwar deutlich gemütlicher als diejenige von Warschau nach Posen (Freitag Nachmittag, der Zug war hoffnungslos überfüllt, 8 Sitzplätze in einem Abteil, das in österreichischen Zügen nur 6 Plätze beherbergt). Trotzdem spürte ich eine gewisse Müdigkeit in Muskeln und Gelenken. Die Cache-Frequenz wurde niedriger, jede Gelegenheit für eine Sitzpause wurde ausgenutzt.

Katowice zeichnet sich durch eine hohe Frequenz an Wandgemälden aus (siehe oben das der Physikerin Maria Goeppert-Mayer im Universitätsviertel). Aber auch die Architektur unterscheidet sich deutlich von den beiden Städten, die ich zuvor besucht hatte. Das Millenium-Viertel in der Umgebung des Stadions etwa beinhaltet mehrere Hochhäuser, die aus der Luft wie eine Blüte aussehen. Sie wurden von den Architekten Henryk Buszko und Aleksander Franta in den Jahren 1988 bis 1991 erbaut. Mir selbst sind leider keine guten Fotos gelungen, in diesem Blog Post von der polnischen Autorin Justyna Kuska finden sich einige interessante Bilder und Informationen. Dort entdeckte ich gerade, dass die Hochhäuser an Maiskolben erinnern sollen, das wäre mir jetzt nicht als Erstes in den Sinn gekommen.

Biblioteka Śląska

Sehr spannend fand ich auch das Gebäude der Biblioteka Śląska. Der deutsche Wikipedia-Eintrag enthält leider kaum Informationen zum Gebäude, nur dass es im Oktober 1998 eingeweiht wurde.

Links: Veranstaltungshalle Spodek („Untertasse“) in Katowice, Mitte: begrünter Treppenaufgang, Rechts: Kongresszentrum Międzynarodowe

begrünter Treppenaufgang auf das Dach des Kongresszentrums Międzynarodowe

Die Veranstaltungshalle Spodek („Untertasse“) hat mich sofort begeistert, unter anderem deshalb, weil eine Fairydust dort wirklich gut hinpassen würde. Erst bei näherer Betrachtung findet sich rechts davon ein begrünter Aufgang, über den das Dach des daneben befindlichen Kongresszentrums Międzynarodowe be- oder überstiegen werden kann.

der Aussichtsturm auf dem Gelände des Muzeum Śląskie ragt als gerüstartige Konstruktion in den bewölkten Himmel

Direkt östlich vom Kongresszentrum liegt das neue Muzeum Śląskie. Es wurde auf dem Gelände einer stillgelegten Kohlegrube errichtet. Am Aussichtsturm (der leider geschlossen war) befindet sich ein Traditional Cache, der dank Kenntnis des Versteckprinzips schnell gefunden werden konnte. Im Außenbereich des Museums besichtigte ich die aktuelle Ausstellung Upper Silesia from the Air (noch bis 2. Juni 2019 zu sehen). Die Tafeln sind in polnisch und englisch beschriftet und zeigen eine Vielfalt von Luftaufnahmen von verschiedenen Teilen von Ober-Schlesien.

Außenbereich des Muzeum Śląskie, Kontrast zwischen renoviertem Backsteingebäude (rechts) und modernem Glaspalat (links)

In einer nahe gelegenen Straßenbahnstation stieß ich auf eine andere öffentliche Fotoausstellung, die ich auch sehr interessant fand: Thawing Permafrost. Der Fotograf Joël van Houdt hat versucht, den Klimawandel zu visualisieren, indem er das Schmelzen des Permafrosts und die sich daraus ergebenden Veränderungen in der Sakha Republic in Nord-Sibirien in Russland dokumentiert hat. Die Bilder zeigen einerseits die sich verändernde Landschaft (zum Beispiel einen gigantischen Krater, der sich durch das Schmelzen des Permafrosts gebildet hat und kontinierlich wächst) und andererseits die Menschen, die in dieser Region leben: eine Region, die weitab vom Weltgeschehen liegt, in der sich jedoch die Auswirkungen des Klimawandels bereits deutlich zeigen.