Dosenkiwi

[fast ohne Spoiler]

Pfaffenhofen an der Ilm

Hauptplatz mit schlankem weißen Kirchturm, die Sonne steht direkt hinter dem Kirchturm, der Turm wirft einen Schatten über den Platz, links von der Kirche im Vordergrund eine Bushaltestelle und ein bayrischer Zunftbaum

Letzten Herbst wurde ich auf das Konzept Housesitting aufmerksam (late to the party, I guess) und habe das hier in Pfaffenhofen an der Ilm zum zweiten Mal ausprobiert. Ich verbrachte zehn Tage mit einem freundlichen, aktiven Hund und drei Katzen in einem wunderschönen Haus im sonnigen, frühlingshaften Pfaffenhofen an der Ilm.

drei Tierfotos, links: eine offene Treppe von unten, zwei neugierige Katzen schauen zwischen den offenen Treppenstufen durch, rechts oben: zwei Hunde mit schwarzem Fell und ähnlicher braun-weißer Gesichtszeichnung, der größere Hund hat eine Pfote auf die Pfote des kleineren Hunds gelegt, rechts unten: eine zierliche grau-weiße Katze, sie steht auf einem Bord vor der Wand und schaut etwas skeptisch zur Kamera

Ein Wochenend-Highlight war die Wanderung auf dem Planetenweg in Scheyern. Es ist eine modellhafte Darstellung des Sonnensystems, bei dem die Abstände der Planeten zur Sonne und zueinander maßstabsgetreu dargestellt werden. Jeder Planet ist mit einer Art Hologramm in einem Glaswürfel auf einem Stein dargestellt und wird auf einer Tafel ausführlich beschrieben. Der Multi-Cache „Such Pluto“ folgt ebenfalls dem Planetenweg. Der Fotograf hat dort übrigens eine neues Objektiv ausprobiert und sehr träumerische Blütenbilder fabriziert.

weiß blühende Obstbäume auf einer Wiese vor einem altmodischen Wirtschaftsgebäude gedeckt mit braunen Dachschindeln zwei hochformatige Bilder nebeneinander, links: ein Glaswürfel mit Metallkanten, im Innenraum des Würfels scheint der Planet Saturn (erkennbar am Ring) zu schweben, es ist nur die rechte Seite des Planeten zu sehen, es schimmern die Pflanzen hinter dem Glaswürfel durch, rechts: ein Stein mit einem Glaswürfel darauf, darin ist ein größerer transparenter Planet zu sehen, er füllt den Würfel beinahe aus, das Schild darunter weist den Planeten als „Erde – der blaue Planet“ aus Feldweg am Waldrand, eine Person mit Rucksack geht von der Kamera weg, daneben zwei Hunde

Nach der Wanderung bietet sich die Einkehr im Kloster Scheyern an. Im Gastgarten der Klosterschenke lässt es sich wunderbar essen und trinken. Vor dem Heimweg besuchten wir noch das „Bücherkastl am Kloster“ und den Virtual „Kloster Scheyern (Virtual Reward 3.0)“. Wieder mal (aber natürlich nicht nur deshalb) war ich froh, den Fotografen dabei zu haben. Das benötigte Foto für den Virtual hätte ich ohne eine zweite Person nicht anfertigen können und wir waren tatsächlich allein im Klostergarten.

dekoratives Klostergebäude in weiß und hellrot inmitten eines Parks, links Kirchturm mit Turmuhr, rechts davon ein Wohngebäude mit einem Ecktürmchen

Die weiteren Tage in Pfaffenhofen verbrachte ich mit Erwerbsarbeit und Nachmittagsspaziergängen in Stadt und Umgebung. Südlich Richtung Niederscheyern gibt es einen schönen Spazierweg am Bach entlang, was mein Host-Hund sehr zu schätzen wusste. Stöckchen-spielen im Wasser fand der nämlich noch besser als Stöckchen-spielen am Weg. Lupo hat das aus sicherer Entfernung vom Fluss-Ufer aus beobachtet. An einer Stelle krabbelte ich jedoch cache-bedingt in eine Kanalröhre. Zu diesem Zeitpunkt war Lupo (ohne mein Zutun) versehentlich mit den Pfoten ins Wasser gerutscht und ist mir dann tatsächlich in die Röhre gefolgt. Fad wird uns jedenfalls nicht.

in einer Kanalröhre, unten fließen wenige Zentimeter Wasser, der Blick geht zum hellen Ende der Röhre, davor steht ein Hund mit dem Hintern zur Kamera

Anhand der zahlreichen Adventure Lab-Stationen durchquerten wir auch immer wieder den Stadtkern, der auch mit einigen interessanten Hausfassaden und typographischen Auffälligkeiten aufwartet. An Brauereien und Gaststätten mangelt es natürlich auch nicht. Alles in allem haben wir den Aufenthalt in Pfaffenhofen sehr genossen.

zwei Fotos mit Stadtansichten, oben: Schriftzug „Sanitätshaus“ in einer geschwungenen, eleganten, weißen Schriftart, darüber ein Heiligenbild an der Hauswand, unten: Hausfassade mit dem Schriftzug „f. Schmuttermayr“, weiter rechts „Spenglerei Installation“, die Schrift wirkt wie eine frei gezeichnete Schreibschrift

Berlin: Wannsee-Fähre und Flugplatz Berlin-Gatow

Bahnsteig der S-Bahn mit dem Haltestellenschild „Berlin-Wannsee“ in ebrochener Schrift, dahinter eine S-Bahn mit geöffneten Türen

Mit Schrecken musste ich heute feststellen, dass ich zwar die Bilder dieses Ausflugs vorsortiert, aber den Blog Post nie fertig gestellt hatte. Da seither etwas Zeit ins Land gegangen ist, wird der Text etwas übersichtlicher ausfallen müssen.

Blick vom Steg auf den Wannsee, links im Bild eine Fähre der BVG mit dem Namen Wannsee

Auf dem Wannsee lässt es sich mit der BVG-Fähre F10 vom S-Bahnhof Wannsee nach Alt-Kladow übersetzen. Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten und ist in einem BVG-Ticket für den Tarifbereich B eingeschlossen. Tickets können vor Ort am Automaten gekauft werden, Fahrräder und Hunde dürfen auch an Bord. In Alt-Kladow kehrten wir an diesem wunderschönen Frühlingstag gleich mal in den Biergarten ein, bevor wir uns zu Fuß auf den Weg zum Militärhistorischen Museum Berlin-Gatow machten.

braunes Militärflugzeug mit einer roten Spitze und einer Art langen spitzen Harpune vorne drauf

Das Museum auf dem Flugplatz Berlin-Gatow ist eine Außenstelle des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr und widmet sich der Geschichte des Luftkriegs – als jüngster Form militärischer Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert. (Militärhistorisches Museum Berlin-Gatow)

Der Flugbetrieb wurde am 30. Juni 1994 eingestellt. Die Geschichte des Flugplatzes lässt sich auch auf Wikipedia gut nachlesen.

schwarzbrauner Hund im Vordergrund schaut auf ein großes Versorgungsflugzeug, dahinter der Hangar mit der Dauerausstellung des Museums

Im Außenbereich des Museums stehen auf dem ehemaligen Flugplatzgelände viele verschiedene Fluggeräte herum, thematisch gruppiert und mit farbcodierten Tafeln beschriftet. Im Hangar befinden sich die Dauerausstellung sowie zeitlich begrenzte Sonderausstellungen.

Ausstellung im Hangar, links ein hellgrünes Flugzeug mit zusammengeklappter Tragfläche und einem schwarzen Propeller, daneben ein schwarzer Helikopter Außenansicht des Tower-Gebäudes, davor zwei kahle Bäume eine Reihe an gelben Scheinwerfern auf Pflaster, die Scheinwerfer beleuchteten früher Start- und Landebahn schwarzbrauner Hund im Vordergrund vor der großen Schüssel eines Funkmessgeräts, dahinter ein Turm mit der Kuppel einer Radarstation

Der Eintritt ins Museum ist kostenlos. Hunde sind in den Außenbereichen erlaubt, jedoch nicht im Hangar. Auf den weitläufigen Außenflächen gibt es kaum Schatten. Dieser schöne März-Tag war daher ideal für unseren Besuch dort. An heißeren Tagen dürfte es im Außenbereich wohl eher unangenehm werden. Aktuelle Informationen auf der Webseite: Militärhistorisches Museum Berlin-Gatow.

Eggenburg

Einen Ausflug nach Eggenburg hatte ich schon seit Längerem angedacht. Drei gelöste Mystery Caches erschienen mir genug Anlass für diese Reise, die sich ohne Klimaticket allerdings etwas mühsamer gestaltet, als es letztes Jahr gewesen wäre. Da der Express-Bus nach Tulln genau in der Stunde, wo ich ihn gebraucht hätte, nicht fuhr, reiste ich über Hollabrunn mit Zug und Bus an.

eine Brücke aus altem Metall verbindet zwei hohe Mauern aus alten Ziegeln, die Brücke ist deutlich rostig, ihr Muster zeichnet sich als Schatten auch auf den Mauern ab, dahinter blauer Himmel mit vereinzelten Wolken

Vom Bahnhof aus schlug ich dann gleich die Richtung der Mystery Caches ein. Auf dem Weg dorthin hat sich mein „Jagdhund“ mal wieder ausgezeichnet. Lange vor ihm sah ich das Reh, das auf dem Feldweg am Waldrand stand. So lange ich stehen blieb, blieb auch das Tier stehen, ich konnte es eine Zeitlang beobachten. Erst als ich näher kam, hüpfte es in den Wald davon, wo ich es dann mit einem Zweiten seiner Art zu mir zurückblicken sah.

Der Weg führte uns zu einer Eisenbahnbrücke, die sich hoch oben über eine Strasse spannte. Dazu gab es auch eine Informationstafel, die von der Bedeutung der Kaiser Franz Josefs Bahn (sic!) für die landesfürstliche Stadt Eggenburg berichtet. Die Tafel enthält auch ein besonders Kleinod: ein Foto des „legendären Vindobona“, in Klammern die (mutmaßliche) Quellenangabe: Internet. Das Foto ist in diesem ORF-Artikel zu sehen, hier auch mit detaillierterer Quellenangabe.

durch kahle Bäume und Sträucher Blick auf eine Ortschaft mit einer Kirche erhöht im Zentrum, die Kirche hat eine ungewöhnliche Form mit einem sehr hohen dreieckigen Dach, das von den Türmen kaum überragt wird

Auf der oben erwähnten Informationstafel findet sich auch ein Hinweis darauf, dass die Erdumwälzungen (zB durch das Aufschütten von Dämmen) durch den Eisenbahnbau zu den Funden von Johann Krahuletz beitrugen. Der in Eggenburg geborene Geologe suchte schon als Kind auf den Feldern nach „Altertümern“. Neben dem Krahuletz-Museum ist ihm in Eggenburg auch ein Gesteinsgarten gewidmet. Für den dazugehörigen Earth Cache müssen einige Informationen gesammelt werden. Zum Glück habe ich mir die Zeit genommen, alle 22 Säulen umfassend zu inspizieren und zu fotografieren, auf der Webseite konnte ich leider nur dürftige Informationen zum Gesteinsgarten finden:

Das Waldviertel im Nordwesten Niederösterreichs hat Anteile an nahezu allen Gesteinseinheiten Österreichs. Die verschiedenen Gesteine aus einer viele hundert Millionen Jahre langen geologischen Entwicklungsgeschichte prägen maßgeblich den Charakter der Waldviertler Landschaft.

die Front eines Gebäudes, das Portal wird von zwei Säulen getragen, darüber ein flaches Giebeldach, im Zentrum steht der Schriftzug „Lichtspielhaus“

Der Gesteinsgarten befindet sich vor einem Gebäude, das von Architekt Clemens Holzmeister (1886–1983) errichtet wurde. Sein bekanntestes Gebäude ist vermutlich die Feuerhalle Simmering. Laut einer Tafel an der Wand ist es „eines der ältesten Lichtspielhäuser Österreichs“. Mir fiel besonders der Schriftzug Lichtspielhaus an der Fassade ins Auge. Seit Kurzem bin ich begeisterte Leserin des Typographischen Fundstücks. Die darin gezeigten Schriften im Stadtbild und die angehängten Nachforschungen zu historischen Hintergründen und Analysen der verwendeten Schriftarten haben dazu geführt, dass ich selbst wieder mehr auf Schriften an Gebäuden achte. Bei diesem Schriftzug fällt etwa ins Auge, dass die Serifen beim kleinen „s“ deutlich dominanter sind als bei anderen Buchstaben. Bei der Kombination „lh“ hätte ich eigentlich eine Ligatur erwartet, hier wirken auch die Abstände zwischen den Buchstaben nicht ganz rund.

das Krahuletz-Museum, ein dreistöckiges, auf einer abfallenden Straße errichtetes Gebäude, im Erdgeschoss sind die Fenster also links höher und werden nach rechts immer niedriger, oben in der Mitte eine dekorative Uhr zwischen zwei Ziergiebeln, dahinter ein barockes Zwiebeltürmchen, dahinter blauer Himmel, links vom Turm ein halber Mond, rechts vom Turm ein Chemtrail Richtung Boden

Nach dem Besuch des Gesteinsgartens war mir nach einer Mittagspause, ich fand ein spärlich besuchtes Lokal im Zentrum, wo mir ein passabler Flammkuchen serviert wurde. Ein Letterbox-Bonus-Cache war genug Motivation, um den zehnteiligen Adventure Lab entlang der Stadtmauern zu verfolgen. Der Bonus Cache führt auch in einen besonders schönen Teil der Stadt, wo ich mich entlang der Mauern in meine Kindheit zurück versetzt fühlte (wir kletterten damals im Burggraben der Burg Kreuzenstein herum).

Nach der Letterbox sah ich mir noch das Ossarium (Beinhaus) nahe der Kirche an. Ich wusste zwar, was mich erwartete, aber irgendwie ist es trotzdem etwas gruselig, wenn beim Betätigen des Lichtschalters der Blick auf die Knochenhaufen fällt und der Kopf umgehend anfängt, zu schätzen, wie viele menschliche Überreste hier wohl liegen.

Für einen Februar-Ausflug war das Wetter ausgezeichnet, ein absoluter Glücksfall. Noch am Bahnsteig konnte ich in der Sonne sitzen. Gerne würde ich auch irgendwann das Krahuletz-Museum besichtigen, Mineralien waren in meiner Kindheit mal interessant. So ein früh geprägtes Interesse geht irgendwie nicht mehr ganz weg, vielleicht mag ich auch deshalb Earth Caches gern. Ein Ausflug nach Eggenburg lohnt sich auf jeden Fall, es ist eine hübsche Stadt mit viel interessanter Geschichte.