Nehmt euch Zeit, denn das wird ein langer Post mit vielen Fotos. Der Ausflug auf den Schneeberg hat mir so gut gefallen, dass es mir schwer fällt, die schönsten Bilder auszuwählen.

Den Schneeberg hatte ich schon lange als Wunschziel auf meiner Liste. Ich war bestimmt vor vielen Jahren mit der Schule mal dort, habe daran aber keine konkreten Erinnerungen. Beim Geocaching stieß ich irgendwann auf eine Challenge, bei der die Höhenmeter eine Rolle spielen. Der Bereich direkt über 2.000 Meter fehlte mir noch und ich identifizierte schnell den Gipfel des Schneebergs als Lösung dieses Problems. Bis es dazu kam, ging jedoch noch einige Zeit ins Land. Nun kam ein weiteres Ziel hinzu: ein Wochenende der Hitze entfliehen. Den Radfahrer konnte ich schnell überzeugen, sich auch eine Niederösterreich Card zuzulegen, denn der Preis für die Schneebergbahn macht etwa die Hälfte der Kosten für eine Niederösterreich Card aus. Außerdem haben wir nun zusätzliche Motivation und Inspiration für weitere Ausflüge. Meine Niederösterreich Card hat sich sechs Wochen später schon fast vollständig amortisiert.

Aus organisatorischen Gründen sind wir am Freitag Nachmittag nach Puchberg gereist und haben dort übernachtet. Rückblickend betrachtet hätte ich besser abseits der Buchungsplattformen nach einer kleinen Pension gesucht, dieser Gedanke ist mir damals leider nicht gekommen. Wir haben im Hotel Paradiesquelle übernachtet. Das Hotel wirkt etwas abgewohnt und in die Jahre gekommen. Das Frühstücksbuffet war hingegen sehr reichhaltig, da gab es nichts auszusetzen. Nach dem Frühstück packten wir unsere sieben Sachen und machten uns auf den Weg zum Bahnhof, wo wir auf die vorab gebuchte Bahn warteten. Für den Hund musste ich für Berg- und Talfahrt insgesamt 21 Euro extra bezahlen.

Die Fahrt mit der Zahnradbahn machte mir erwartungsgemäß große Freude. Wir hatten Sitzplätze am Fenster, das sich noch dazu öffnen ließ, sodass nicht nur ein frischer Wind durch den Wagen ziehen konnte, sondern auch das Fotografieren aus dem geöffneten Fenster möglich war. An der Haltestelle Baumgartner kam es zu einem kurzen Aufenthalt, den manche dazu nutzten, sich mit frischen Buchteln zu versorgen.
Nach etwa 40 Minuten erreicht die Salamanderbahn den Bergbahnhof Hochschneeberg auf 1.800 Meter Seehöhe. Die Aussicht ins Tal ist beeindruckend und war für uns gleichzeitig nur ein Vorgeschmack auf die vielen schönen Ausblicke, die noch folgen sollten. In der Nähe des Bergbahnhofs zieht die Kaiserin-Elisabeth-Gedächtniskirche den Blick auf sich. Hier stellte ich zum ersten Mal fest, dass mein Telefon kein Netz mehr finden wollte. Den dort versteckten Cache habe ich jedoch auch auf dem Rückweg nicht finden können.

Am Waxriegel vorbei machten wir uns auf den Weg zum Damböck-Haus, wo wir für die Nacht von Samstag auf Sonntag ein Zimmer gebucht hatten. Ob ich den Hund mitbringen kann, hatte ich vorab telefonisch erfragt. (Die Antwort: Nur im 2-Bett-Zimmer, nicht im Gemeinschaftsmatratzenlager.) Bei der Buchung konnte ich nicht genau bestimmen, was genau das Komfortzimmer von den gewöhnlichen 2-Bett-Zimmern unterscheidet. Rückblickend betrachtet: Das Komfortzimmer hat eine Dusche und ein Waschbecken im Zimmer, außerdem sind die Betten mit Bettzeug ausgestattet, wir hätten also keine Schlafsäcke gebraucht. Nachdem wir unser Übernachtungsgepäck aufs Zimmer gebracht hatten, machten wir uns auf den Weg zum Gipfel.

Während wir auf den Gipfel zusteuerten, verschwand dieser immer mehr in einer Wolkendecke. Auf den letzten 100 Höhenmetern waren wir schließlich selbst in der Wolke drin. Knapp unter dem Gipfel befindet sich NÖ - High Trail - der höchste Tradi Nö´s ;). Nach einer kurzen Verschnaufpause stapften wir weiter bis zum Gipfel, wo ein überraschendes Gedränge um das Gipfelkreuz stattfand. Schließlich schafften wir aber doch noch das Logfoto für den Virtual.

Da unter den aktuellen Wetterverhältnissen keine Aussicht möglich war, gingen wir weiter zur Fischerhütte. Auch hier war ordentlich Betrieb. Wir besorgten uns etwas zu trinken und verzehrten auf der Terrasse unsere Jause. Während wir dort saßen, riss die Wolkendecke um den Gipfel auf und wir beschlossen, noch mal zum Gipfel rüberzugehen. Zuerst besichtigten wir aber die Aussicht vom Kaiserstein, wo sich ein sichtlich alter Traditional (aus dem Jahr 2008) zwischen den Felsen versteckt.


Etwas abseits des Wegs zwischen Gipfel und Fischerhütte ist der Traditional 9 Summits - Niederösterreich zu finden. Vorher bei der schlechten Sicht wollte ich nicht vom Weg abweichen und wie sich herausstellte, hatte ich damit vollkommen recht. In unmittelbarer Nähe des Tradis befindet sich eine Doline: optisch schlicht ein Loch im Berg, laut Wikipedia „auch Sinkhöhle, Karsttrichter oder Karstloch genannt, ist eine schlot-, trichter- oder schüsselförmige Senke von meist rundem oder elliptischem Grundriss in Karstgebieten“. Der neugierige Hund wäre reingeklettert, hätte ich es nicht verhindert.

Nach der zweiten Gipfelbesteigung wanderten wir den flacheren Weg von der Fischerhütte zurück zum Damböckhaus. Zum Glück wurden wir bei der Ankunft darüber informiert, dass es warme Küche nur bis 18.00 gibt und wir möglichst bis 17.30 bestellt haben sollten. Somit kamen wir rechtzeitig zurück und konnten auf der Terrasse ein frühes Abendessen genießen. Den Abend verbrachten wir rastend auf dem Zimmer. Wirklich kalt wurde mir übrigens auch in der Nacht nicht. Die im Bergwetter vorhergesagten 14 Grad hatte es nur direkt am Gipfel und auch dort brauchte ich nicht mehr als lange Ärmel. 200 Meter weiter unten waren es eher 20 Grad. Nichtsdestotrotz genoss ich die Nacht unter geöffnetem Dachfenster unter einer Decke.

Den nächsten Tag wollten wir noch für weitere Erkundungen des Schneebergplateaus nutzen. Auf meinen Wunsch wanderten wir Richtung Novembergrat, ich wollte sehen, ob wir es bis zum Traditional Misty November schaffen. Dieser Teil des Schneebergs ist sehr felsig. Für den Hund wars kein Problem, ich musste mich schon eher festhalten, so ganz ist mir Höhe immer noch nicht geheuer. Die Aussicht hat uns aber in jedem Fall belohnt.

Während wir im Damböckhaus rasteten, hatte ich mir auch die Flora Incognita App heruntergeladen. Unter anderem konnte ich damit die Blume auf dem folgenden Foto als Deutscher Kranzenzian (Gentianella germanica agg.) identifizieren.

Auch den Waxriegel bestiegen wir noch, bevor wir uns schließlich unser Gepäck aus dem Damböckhaus holten und den Rückweg zur Zahnradbahn antraten. Da wir etwas früher dort waren, konnten wir kurzfristig auf eine halbe Stunde früher umbuchen. Unten hatte am Sonntag auch das Zahnradbahnmuseum neben dem Bahnhof geöffnet. Ich wollte mich noch umsehen. Die lokalen Bahn-Nerds hatten Spaß mit dem Hund, ich erfreute mich an vielen Fotos der Zahnradbahn in unterschiedlichem Wetter und verschiedenen Jahreszeiten. Eigentlich hätte ich auch gern länger in den Bahn-Bildbänden geblättert. Mit der Geschichte der Schneebergbahn werde ich diesen Post nicht noch weiter verlängern. Hier könnt ihr den Folder Geschichte der Schneebergbahn herunterladen oder hier bei Wikipedia nachlesen. Erwähnen möchte ich jedoch, dass die Schneebergbahn eine wirklich lange Geschichte hat. Sie existiert seit dem Jahr 1897:
Die 7,3 Kilometer lange Strecke der Zahnradbahn bis zur Haltestelle Baumgartner wurde am 1. Juni 1897 in Betrieb genommen. Die gesamte Strecke mit einer Länge von 9,7 Kilometern und einer Höhendifferenz von 1.218 Metern wurde schließlich am 25. September 1897 dem öffentlichen Verkehr übergeben.

Und wenn ihr mir jetzt immer noch nicht glaubt, dass das ein ganz toller Ausflug war, dann seht euch auf dem nächsten Foto den Hund an, wie er im Gras herumrollt. Das sollte nun alle Zweifel ausräumen.
